Potsdam - Im globalen Maßstab wird nach Einschätzung des Klimaforschers Ottmar Edenhofer noch bei weitem nicht genug gegen den Klimawandel getan. «Wir sind nicht auf dem richtigen Kurs», sagte der Chefökonom vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung am Freitag.
So sei der Kohlenstoffgehalt in der Atmosphäre während der vergangenen Jahre wieder stark gestiegen, nachdem er in den 1990er Jahren schon einmal abgenommen habe. Als eine Ursache für den Anstieg nannte der Klima-Ökonom die jüngste Verteuerung von Öl und Gas und den damit einhergehenden höheren Verbrauch der vergleichsweise billigeren Kohle. Edenhofer wird demnächst einer der Vorsitzen der Arbeitsgruppe 3 im Weltklimarat, die sich mit der Vermeidung des Klimawandels beschäftigt.
«Es wird nicht genug getan», bemerkte Edenhofer mit Blick auf die bisherigen Maßnahmen gegen Klimaveränderungen. «Die Kohle befindet sich in einer Renaissance.» Umso wichtiger sei die Entwicklung einer Technologie zur Abscheidung des Treibhausgases Kohlendioxid bei der Kohlekraftwerken. Hier würden eigentlich 10 bis 15 Demonstrationskraftwerke gebraucht.
In der kommenden Woche geht in Spremberg (Spree-Neiße) eine Pilotanlage zur Braunkohleverstromung in Betrieb, mit der die CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) erprobt werden soll. Bei ihr würde das entstehende CO2 nicht in die Atmosphäre gelangen, sondern abgetrennt und unterirdisch gelagert. In solche Versuchskraftwerke sollte «sehr viel mehr Geld» als bisher investiert werden, meinte Edenhofer, der sich gemeinsam mit Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in der Potsdamer Staatskanzlei der Presse präsentierte. Das Potenzial der CCS-Technologie sei groß.
Allgemein warb der Forscher um mehr Verständnis zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, wo es noch große Unterschiede in der Wahrnehmung des Klimaproblems gebe. Dagegen hätten sich die Sichtweisen von Wissenschaft und Politik in den vergangenen Jahren einander angenähert. Um hier global eine gemeinsame Wahrnehmung zu erzielen, müsse die chinesische und indische genauso wie die amerikanische und europäische Wirtschaft einbezogen werden, meinte Edenhofer. Beispielsweise herrsche aber in China die Angst, durch Umweltmaßnahmen das Wachstum zu gefährden.
Der studierte Volkswirt kündigte bis 2015 einen Sachstandsbericht seiner Arbeitsgruppe zur Lösung des Klimaproblems an. Bereits 2010 werde es einen ersten Bericht zu Potenzial und Kosten alternativer Energieträger geben, in den auch die Wirtschaft und Nicht-Regierungs-Organisationen einbezogen würden.
Kritiker wenden gegen die CCS-Technik ein, dass sie sehr energieaufwendig sei und damit beim Betrieb der Kraftwerke weiteres CO2 entstehe. Zudem gibt es in Deutschland nach Angaben der Technischen Universität Clausthal bei weitem nicht genug geeignete unterirdische Lagerstätten für das Treibhausgas. Das verflüssigte CO2 müsste demnach durch die Pipelines zu den Absendern von Erdöl oder Erdgas zurückgeschickt werden, etwa nach Norwegen oder Russland.
In dieser Woche hatte die 29. Versammlung des Weltklimarates (IPCC/Intergovernmental Panel on Climate Change) Edenhofer zu einem von drei Vorsitzenden der Arbeitsgruppe 3 gewählt. Der Präsident des Weltklimarats, Rajendra Pachauri, wurde wiedergewählt.
Quelle: dpa
klimaktiv.de hatte gestern über Edenkofers Wahl beim IPCC berichtet. Lesen Sie hier
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