Rheinland-Pfalz setzt auf Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und damit auf Effizienztechnologie. KWK bedeutet Stromerzeugung und gleichzeitige Nutzung der Abwärme, was den Nutzungsgrad der Energieträger sehr stark erhöht.
Umweltministerin Margit Conrad informierte sich beim Besuch eines Biomasse-Heizkraftwerks der Stadtwerke Neuwied darüber, wie die vielfältig anfallenden holzhaltigen Reststoffe in der Region organisiert werden, um hocheffizent Strom und Wärme zu produzieren. Außerdem findet hier eine neue Technologie Anwendung, die die Energieausbeute dank einer angeschlossenen Organic Rankine Cycle (ORC)-Anlage noch weiter verbessert.
„Astholz, Sträucher und holzhaltige Grünabfälle verrotten noch viel zu oft als ungenutzte Reststoffe", stellte Umweltministerin Conrad fest. „Dass sich aus Reststoffen durch ein gezieltes Stoffstrommanagement wertvolle Energieträger produzieren lassen und damit eine Stadt in relevantem Umfang teures Erdgas oder Öl ersetzen kann, das beweist Neuwied mit der Errichtung und dem Betrieb dieses Biomasseheizkraftwerks. Gerade auch die wertvolle Biomasse gilt es hocheffizient einzusetzen. Dies ist hier vorbildlich unter Einsatz der ORC-Technik gelungen."
Die Stadtwerke Neuwied haben das Biomasse-Heizkraftwerk mit ORC-Anlage am 1. Februar in Betrieb genommen. Dort wird über eine ORC-Anlage Strom erzeugt. Durch die Kraft-Wärme-Kopplung erhöht sich der thermische Gesamtwirkungsgrad der Anlage auf ca. 85 Prozent. Die anfallende Abwärme wird in ein 9 Kilometer lan-ges Fernwärmenetz zur Beheizung von öffentlichen, privaten und gewerblichen Gebäuden eingespeist.
Angeschlossen an das Fernwärmenetz sind 7 Schulen, 6 Sportanlagen, 7 Geschäftskunden (darunter Stadt-, und Kreisverwaltung, Banken, Einkaufszentrum, Industriebetrieb), 2 Altenheime und 23 Wohngebäude mit ca. 650 Wohneinheiten.
Neben dem Biomasseheizkraftwerk gibt es zwei weitere Energiezentralen mit je zwei Blockheizkraftwerken. Die verkaufte Wärmemenge liegt jährlich bei ca. 35.000 MWh, davon werden ca. 20.000 MWh über das Biomasseheizkraftwerk erzeugt. Allein das Biomasseheizkraftwerk spart Erdgas für 25.830 MWh pro Jahr ein und 9.200 Tonnen CO2 pro Jahr.
ORC-Anlagen erlauben eine wirtschaftliche Nutzung von Energiequellen auf niedrigem Temperaturniveau, wie z.B. Erdwärme, Abwärme aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen auf der Basis erneuerbarer oder fossiler Energieträger und Solarthermie - was mit einer klassischen, mit Wasserdampf angetriebenen Turbinenanlage nicht möglich ist.
„Das Biomasseheizkraftwerk mit ORC-Anlage in Neuwied zeigt, dass im Strom- und Wärmemarkt beträchtliche Energieeffizienzsteigerungen durch den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung erreicht werden können. Die Stadtwerke Neuwied haben eine Vorreiterrolle eingenommen", sagte Ministerin Conrad. „Die Nutzung heimischer, regenerativer Ressourcen und die KWK als Effizienztechnologie bei der Energieproduktion sind zentrale Bausteine in unserem Energiekonzept.
Ziel der Landesregierung ist es, bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung und den KWK-Anteil auf mindestens 30 Prozent." Bezogen auf den Bruttostromverbrauch liegt der KWK-Anteil in Rheinland-Pfalz bei ca. 17 Prozent; im Durchschnitt beträgt er in Deutschland 12,5 Prozent. Conrad: „Rheinland-Pfalz ist auf dem besten Weg."
In Industrie und Gewerbe bleibt produktionsbedingte Abwärme noch vielfach ungenutzt. Diese kann in häufig zur Stromerzeugung und durch Einspeisung in Nah- und Fernwärmenetze zu Heizzwecken eingesetzt werden - was sich auch rechnet. Die erzielbare Einsparung vor allem an Erdgas und Heizöl führt zu einer erheblichen Reduktion der Energiekosten. Conrad: „Damit verbunden ist eine Stärkung der Position unserer rheinland-pfälzischen Unternehmen auf einem globalisierten Markt, aber auch die Stabilisierung der Energiekosten für Bürgerinnen und Bürger."
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