Stuttgart - Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit muss die ländliche Entwicklung in den Ländern des Südens wieder zum Schwerpunkt machen.
Dies fordert "Brot für die Welt" angesichts der dramatisch gestiegenen Weltmarktpreise für Weizen und fehlender Mittel für die Nahrungsmittelhilfe beim Welternährungsprogramm. "Mit Blick auf diesen Trend brauchen wir auch eine echte Änderung der Prioritäten in der Entwicklungszusammenarbeit.
Die Ursachen des Problems Unterernährung müssen angegangen werden", fordert Danuta Sacher, Abteilungsleiterin für Politik und Kampagnen bei "Brot für die Welt". Dazu gehöre auch ein Umdenken in der Förderung von Agrar-Treibstoffen, um den Preisanstieg für Grundnahrungsmittel nicht noch weiter anzuheizen.
"Nachhaltige Hungerbekämpfung und ländliche Entwicklung sind zu lange als Stiefkinder behandelt worden", so Sacher weiter. Die staatliche Entwicklungshilfe habe die Kleinbauern in den ärmeren Ländern viel zu lange vernachlässigt. Obwohl kleinbäuerliche Betriebe den Großteil der weltweiten Nahrungsmittel produzieren, seien allein zwischen 1995 und 2005 die Mittel der Industrieländer für ländliche Entwicklung halbiert worden. Heute betrage der Anteil nur noch 3,5 Prozent der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit. Auch die Entwicklungsländer hätten ihre Agraretats in diesem Zeitraum halbiert.
Gleichzeitig seien sie von der Weltbank und der Welthandelsorganisation WTO zur Öffnung ihrer Agrarmärkte gedrängt worden, was vielfach zum Ruin von Kleinbauernfamilien geführt habe. Die Weltmarktpreise für Weizen sind allein Anfang dieser Woche an der wichtigsten Getreidebörse der Welt in Minneapolis um über 20 Prozent gestiegen. Ursachen sind unter anderem die steigende Nachfrage nach Fleisch in den schnell wachsenden Ländern Asiens und die sich verschlechternden Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft durch den Klimawandel.
Das Welternährungsprogramm hat für kommenden Freitag eine Dringlichkeitssitzung in Rom einberufen, um die Auswirkungen der Preisexplosion und sich anbahnende Kürzungen bei Nothilfeprogrammen zu diskutieren. Die Kürzungen werden voraussichtlich vor allem Menschen treffen, die langfristig von Nothilfelieferungen leben, beispielsweise in Äthiopien, Eritrea und Tschad. "Wir brauchen jetzt ein substantielles Umsteuern in der Entwicklungszusammenarbeit", so Sacher, "die Förderung von benachteiligten Kleinbauernfamilien und ländlicher Entwicklung muss wieder im Mittelpunkt stehen." Das Entwicklungshilfeministerium signalisiere inzwischen Veränderungsbereitschaft, die nötigen Reformen müssten nun schneller und umfassender angegangen werden.
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