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Gletschertagebuch 2006: Wieder schlechte Sommeraussichten (12.07.2006)

GletscherzungeDer vergangene Winter war lang und ist uns als sehr schneereich in Erinnerung geblieben, ja, man sprach von einem Rekordwinter. Der subjektive Eindruck: Dieser Winter muss für die Gletscher viel Schnee gebracht haben. Dem war aber weitgehend nicht so - einzig die wenigen Nordalpengletscher profitierten zunächst davon. Die Niederschläge reichten jedoch nur abgeschwächt in die stark vergletscherten Zentralalpen hinein.


 Kein Schneerekord im Winter

Grafik SchneehöhenDie langjährigen Schneehöhenmessungen am Stubacher Sonnblickkees im Weißseegebiet der Hohen Tauern bestätigen es: Am 1. Mai lagen am Gletscher vier Meter Schnee (Graphik 1) - das ist etwa gleich viel wie in den letzten vier Jahren und um 0,7 Meter weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Der Winter war weit entfernt von einem Rekord. Im Jahr 1979 konnte man davon sprechen, als 7,75 Meter, also nahezu das Doppelte, gemessen wurden. Dabei wird wohlgemerkt immer der gesetzte Altschnee und nicht der Neuschnee erhoben.

Auch am Vernagtferner in den Ötztaler Alpen war der Winterschnee der Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zufolge unterdurchschnittlich. Es gab zeitweise 40 Prozent weniger Schnee, und die Westalpen waren auch eher schneearm. 
 

Verzögerung der Abschmelzung im Frühjahr

SchneehöhenDas feuchte Frühjahr bremste bis in das erste Junidrittel hinein den Abbau der Schneedecke auf den Gletschern, das Winterdefizit wurde dadurch kompensiert.

Der rasche Übergang zur sommerlichen Witterung ab etwa 12. Juni und das warme, gewitterreiche Wetter hatten laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) einen um rund zwei Grad zu warmen Juni zur Folge.

Am 1. Juli lagen zwei Meter Altschnee an der Messstelle am Gletscher (Graphik 2), was etwa dem Durchschnitt entspricht - und gleich war wie am 1. Juli 2005.

Heuer schmolzen vom 1. Juni bis 1. Juli 1,6 Meter Schnee, im Rekordsommer 2003 waren es zwei Meter. Das heißt, die Verhältnisse sind durchaus ähnlich denen im Juni vor drei Jahren. 
 

Die Pasterze

PasterzeAufnahme von der Pasterze am 15.6.06

Noch Anfang Juni war die Gletscherzunge der Pasterze schneebedeckt. Am 15. Juni war der Großteil der Zunge dann blank.

Anfang Juli lag die (temporäre Altschnee-)Grenze, die die blanke Eisfläche von jener mit Altschneebedeckung trennt, schon hoch oben im Hufeisenbruch. 

 

Das Stubacher Sonnblickkees

Stubacher SonnenblickkeesAufnahme vom Stubacher Sonnblickkees am 5.7.06

Anfang Juli begann auch beim Stubacher Sonnblickkees die Eisabschmelzung, die steilen Buckel aperten aus und zeigen damit an, dass die Altschneedecke rasch dünner wird.

Von nun an geht's bergab!
Der bisher nicht extrem heiße, aber ständig warme Sommer zeigt seine Wirkung. Die winterliche Altschneedecke wird rasch abgebaut. Glaubt man dem Siebenschläferlostag, der eine Eintrittwahrscheinlichkeit von 80 Prozent hat, so steht eine Fortsetzung des Witterungscharakters bevor.

Die meisten Alpengletscher werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder einen Massenverlust erleiden. Das liegt aber in dem nun schon bekannten Trend.

Fest steht: Der Winter hat den Gletschern nicht das (hineininterpretierte) "Guthaben" gebracht, um den Verlust im Sommer kompensieren zu können oder zumindest in Grenzen zu halten.

Eine Fortsetzung des sommerlichen Wettercharakters in den Herbst hinein - beispielsweise wenn der ganze September warm ist und es keine Kaltlufteinbrüche mit Schneefällen im Gebirge gibt - würde wieder zu einem starken Massenverlust der Gletscher führen.

Die Bilanz wird erst am Ende des Sommers gezogen!


Quelle: ORF, mit freundlicher Genehmigung des Autors, Prof. Dr. Heinz Slupetzky


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