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Zusammenfassung: Nur noch wenig Zeit im Kampf gegen den Klimawandel (25.04.2007)

Wenn der Klimawandel erst einmal richtig Fahrt aufgenommen hat, kann der Mensch ihn nicht mehr stoppen. Nach einem Entwurf für Teil III des UN-Klimareports bleiben noch 13 Jahre, um Katastrophen abzuwenden. Nehme der Treibhausgas-Ausstoß bis dahin nicht deutlich ab, komme es zu nicht mehr umkehrbaren Folgen wie dem Abschmelzen des Grönlandeises oder der Übersäuerung der Meere, berichteten kürzlich verschiedene Medien mit Bezug auf den Entwurf.


ÜberflutungAm 4. Mai will der UN-Klimarat (IPCC/Intergovernmental Panel on Climate Change) den endgültigen Reportteil präsentieren. Nachdem der erste Teil Zweifel am menschengemachten Klimawandel weitgehend ausgeräumt und der zweite Teil vor drastischen Folgen gewarnt hatte, soll der dritte Teil die verbleibenden Handlungsspielräume aufzeigen.

Ein Mitherausgeber von Teil III, Prof. Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg, sieht noch große Chancen, die Energieeffizienz zu verbessern. Das sei in der Regel günstiger als die erneuerbaren Energiequellen, die aber in jedem Fall zusätzlich nötig seien.

«Mit einer Weiterentwicklung der Neubauvorschriften ließe sich der Energieverbrauch von Häusern auf 10 bis 20 Prozent des heutigen Standes senken», erläutert der Wirtschaftswissenschaftler. «Das, was heute Vorschrift ist, ist weit weg von dem, was machbar ist.» Die Bauwirtschaft sei ein wesentlicher Punkt beim Klimaschutz: «Was in
einem Neubau heute nicht realisiert wird, das passiert auch in den nächsten 30 Jahren nicht.» Und er mahnt zur Eile: «Wir müssen jetzt die entscheidenden Schritte einleiten, um die Klimaproblematik bis 2050 zu lösen.»

Zudem gebe es noch viel Einsparpotenzial bei den Elektrogeräten im Haushalt, sagt Hohmeyer und nennt Japans Gesetze dazu beispielhaft: «Dort ist der beste Standard heute in wenigen Jahren der Minimalstandard.» Für Autos sieht Hohmeyer die Lösung in einer gesetzlichen Obergrenze beim Spritverbrauch, solange sie mit konventionellem Treibstoff fahren. «Die Politiker müssen die Standards durchsetzen und ständig weiterentwickeln.»

Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und einer der leitenden deutschen IPCC-Autoren, baut ebenfalls wirtschaftliche Anreize. «Die Atmosphäre darf nicht mehr kostenlos genutzt werden.» Wer sie verschmutzt, solle dafür bezahlen. Die Politik müsse daher den Emissionshandel verbessern und möglichst viele Länder einbeziehen.

Mit der Investition in die richtige Technik könne weniger als ein Prozent des Bruttosozialprodukts pro Jahr genügen, um den Klimawandel ausreichend zu bremsen. Diese Zahl, die im vergangenen Jahr weltweit Aufsehen erregte, basierte maßgeblich auf Studien der Potsdamer Forscher um Edenhofer.

«Der Konflikt zwischen Wirtschaft und Klimaschutz kann nur überwunden werden, wenn die Politik in die richtigen Technologien investiert», betont Edenhofer. Als Beispiele nennt er Solarthermie, Biomasse oder die Lagerung von Kohlendioxid unter der Erde für die ein erstes Demonstrationsprojekt gerade gestartet wurde. Letztere ist allerdings unter Forschern als Lösung für den Klimaschutz noch umstritten.

Hohmeyer ist zuversichtlich, dass auch die USA und China künftig beim internationalen Klimaschutz mitziehen. Bei den USA setzt er auf die kommenden Wahlen. «Wir haben im Moment nur noch einen Blockierer im Weißen Haus. Es kann sein, dass die USA 2008 das Kyoto-Protokoll ratifizieren.»

Danach ließen sich auch Indien und China einbeziehen, und zwar mit einem künftigen Emissionsrecht pro Kopf der Bevölkerung. «Nach einem Verteilungsschlüssel bekommt jeder Erdenbürger zum Beispiel bis zum Zieljahr 2080 oder 2100 das gleiche Emissionsrecht», schlägt Hohmeyer vor. Im Jahr 2003 hat ein US-Bürger 20 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr produziert, ein Deutscher 10,5 Tonnen, ein Chinese 3,5 Tonnen und ein Inder eine Tonne.

Hintergrundwissen UN-Klimareport
Der vierte Report des UN-Klimarats IPCC teilt sich in drei Abschnitte: Teil I beleuchtet das Ausmaß des Klimawandels und stellt die Verantwortung des Menschen für die globale Erwärmung so deutlich heraus wie nie zuvor, Teil II betrachtet die Folgen und Teil III den verbleibenden Handlungsspielraum des Menschen.

Zentrale Aussagen von Teil I, der am 2. Februar in Paris präsentiert wurde:
- Der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre ist seit 1750 um mehr als ein Drittel gestiegen. Die Temperatur stieg seit Mitte des 19. Jahrhunderts weltweit um 0,74 Grad Celsius. Die Arktis hat sich doppelt so stark erwärmt wie das globale Mittel.

- Elf der vergangenen zwölf Jahre finden sich unter den zwölf wärmsten seit dem Beginn der Aufzeichnungen um 1850.
- Der Meeresspiegel ist im 20. Jahrhundert um 17 Zentimeter gestiegen. Die schneebedeckte Fläche hat seit 1980 um etwa 5 Prozent abgenommen.
- Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die Intensität tropischer Stürme im Nordatlantik zugenommen hat.
- Die Durchschnittstemperatur der Jahre 2090 bis 2099 wird je nach Szenarium um 1,1 bis 6,4 Grad höher liegen als im Durchschnitt der Jahre 1980 bis 1999.

Zentrale Punkte von Teil II, der am 6. April in Brüssel vorgestellt wurde:
- Rund 20 bis 30 Prozent aller Tier und Pflanzenarten könnten aussterben, wenn die weltweite Durchschnittstemperatur um mehr als 1,5 bis 2,5 Grad Celsius steigt.
- Überschwemmungen durch den steigenden Meeresspiegel bedrohen bis zum Jahr 2080 voraussichtlich viele Millionen Menschen zusätzlich.
- Häufigere und heftigere Wetterextreme werden in den betroffenen Gebieten zu steigenden ökonomischen und sozialen Kosten führen.
- Die erwarteten Klimaänderungen werden wahrscheinlich die Gesundheit von Millionen von Menschen betreffen. Hauptfaktoren sind dabei eine Zunahme von Mangelernährung und Folgekrankheiten; zunehmende Todesfälle, Krankheiten und Verletzungen durch Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme, Brände und Dürren.
- In moderaten Klimazonen könnten die Klimaänderungen auch einige Gesundheitsvorteile bringen, etwa weniger Kältetote. Insgesamt werden jedoch die Vorteile durch die nachteiligen Gesundheitsfolgen der steigenden Temperaturen aufgehoben.

Teil III des IPCC-Reports wird am 4. Mai in Bangkok vorgestellt.


Quelle: dpa


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