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Denken wie die Ratte - Warum viele nichts gegen den Klimawandel tun (02.05.2007)

Viele Menschen wissen von den Gefahren des Klimawandels aber nur sehr wenige tun etwas dagegen. Die Frage nach dem Warum lässt sich vor allem aus psychologischer Sicht erklären. Zum einen ist der Mensch bequem und beharrt auf lieb gewordenen Gewohnheiten. Zum anderen ist er biologisch darauf programmiert, seinen eigenen Vorteil zu suchen - und unterscheidet sich darin nicht von der Ratte.


RatteAußerdem ist «das Klima» eine kaum zu fassende, schwer zu verstehende Größe, die sich durch den Beitrag eines Einzelnen so gut wie nicht beeinflussen lässt. Das Verdrängen der Folgen des Klimawandels sei Teil des natürlichen menschlichen Verhaltens, sagt der Sprecher der Fachgruppe Umweltpsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Prof. Andreas Ernst. «Wir sind - da ähneln wir Ratten - von der Evolution darauf festgelegt, unsere Vorteile zu suchen und sie wahrzunehmen», erklärt der Forscher von der Universität Kassel. «Kurzfristige Erfolge sind uns lieber als langfristige.»

Weil das vom Menschen geschaffene Klimaproblem erst mit vielen Jahren Verzögerung sichtbar werde, sei ein kurzfristiges Umdenken in den Industrieländern nicht zu erwarten, meint Ernst. Roman Seidl, ebenfalls Umweltpsychologe von der Universität Kassel, verweist zudem auf die weit verbreitete Haltung: «Mein einzelner kleiner Beitrag ist in Sachen Klima global vollkommen irrelevant - egal ob ich etwas tue oder etwas lasse.» Beim Klimaschutz komme es jedoch eher auf die gemeinsame Handlung an. «Den Glauben an die kollektive Durchschlagskraft haben aber längst nicht alle Menschen», sagt Seidl.

Zwar seien sich einige Menschen der Sache durchaus bewusst. Im großen Stil sei das aber noch nicht der Fall. «Das liegt unter anderem daran, dass das Klima schwer wahrnehmbar ist.» Trotz der vielen Medienberichte bleibe der Begriff «Klima» eher abstrakt. «Zudem sind die Menschen in ihrem Alltag eher mit Arbeitslosigkeit, Problemen im Job oder ihrem defekten Auto beschäftigt.» Nach Ansicht von Prof. Hans Spada vom Institut für Psychologie an der Universität Freiburg fehlt dem Menschen beim Klima ein direkter Erfahrungsbezug. Der Mensch sei gewohnt, direkt aus den Rückwirkungen seines Handelns zu lernen - etwa, wenn er zu schnell in eine Kurve fahre und dabei herausfliege oder von der Polizei geblitzt werde. «Direkte Erfahrungen sind für unser Lernen besser als Berichte oder Berechnungen», sagt Spada.

Weiteres Beispiel für die späten Folgen eines jetzigen Tuns sei das Rauchen: «Jeder weiß, dass das gesundheitsschädlich ist. Fürs Lernen besser wäre es aber, wenn einem direkt nach jeder einzelnen Zigarette schlecht würde.» Spada spricht dabei von direkten Rückkopplungen und empfiehlt, diese mit neuen Ideen ins tägliche Leben zu bringen. Statt etwa jedes Jahr nur eine Strom- oder Gasrechnung zu bekommen, wäre es besser, wenn eine Anzeige im Flur über jedes Fehlverhalten und den damit verbundenen Energieverbrauch direkt informieren würde.

Roman Seidl ergänzt: «Wer allerdings ohnehin vom Stellenwert der Umwelt überzeugt ist, dem fällt es leichter, den Klimawandel zu begreifen und die eigene Verantwortung zu erkennen.» Wer dann auch danach handele und sein Alltagsverhalten anpasse, fühle sich in vielen Fällen gut dabei. Wer Produkte aus der Region kaufe, beruhige sein Gewissen und vermindere durch die kürzeren Transportwege den Kohlendioxidausstoß. Viele Menschen müssten im Grunde eigene Erfahrungen machen - wie das Kind, das trotz der Warnung auf die heiße Herdplatte fasse. «Beim Klimawandel auf der Erde mit ihren vielen Milliarden Menschen lässt sich das aber nicht machen. Zurückspulen und neu anfangen geht nicht.» Seidl empfiehlt daher, den Menschen klar zu machen, dass sich das Klima irreversibel ändert: «Wenn wir nichts tun, gibt es kein Zurück mehr.»

Besonders Familien mit kleinen Kindern seien für solche Warnungen empfänglich. «Der Klimawandel trifft nicht uns, sondern unsere Kinder und Enkel.» Um zumindest zu einem langsamen Wandel der ganzen Gesellschaft zu kommen, sei beharrliches politisches Engagement nötig, erklärt der Umweltpsychologe Andreas Ernst. So könne die EU «scheibchenweise die Daumenschraube der höheren Preise oder niedrigeren Grenzwerte anziehen», um weniger klimaschädliche Produkte durchzusetzen. Probleme wie mit dem Sturm Kyrill und seinen großen wirtschaftlichen Folgen könnten das Thema weiter ins Bewusstsein tragen.


Von Thilo Resenhoeft, dpa


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