Rom - Wegen des Klimawandels drohen Europa neue Krankheiten. Der Chikungunya-Virus, mit dem sich zuletzt in der italienischen Region Emilia Romagna mindestens 160 Menschen infiziert hatten, sei ein Beispiel für neue Epidemien im Zuge der Erderwärmung, sagte der Leiter der Europa-Abteilung der Weltgesundheitsorganisation WHO, Roberto Bertollini, am Donnerstag bei einer nationalen Klimakonferenz in Rom.
«Die Tigermücke hat Italien, ebenso wie auch andere Länder, erreicht, weil sie hier ein günstigeres Klima vorgefunden hat», erklärte der Experte. Es sei jetzt wichtig, neue Überwachungssysteme einzurichten, fügte er hinzu. Das grippeähnliche Tropenfieber, das zwei bis drei Tage nach dem Mückenstich zu hohem Fieber und Abgeschlagenheit führt, war erstmals Ende August in der Nähe von Bologna aufgetaucht.
Rund 100 Experten wollen noch bis zum Donnerstagabend über den Klimawandel und die Umweltverschmutzung auf der Appenin-Halbinsel beraten. Deutlich wurde bei der Konferenz bereits, dass die Lage in Italien besorgniserregend ist: Der Klimaforscher Vincenzo Ferrara betonte, dass die Durchschnittstemperatur in Italien in den vergangenen 100 Jahren um 2,8 Grad und damit vier Mal so schnell gestiegen sei wie im Rest der Welt. Auch seien die Niederschläge im vergangenen Jahrhundert um fünf Prozent zurückgegangen. Besonders schlimm betroffen seien Mittel- und Süditalien, wo mit einer fortschreitenden Verwüstung zu rechnen sei, berichtete die Turiner Zeitung «La Stampa».
Die Kosten des Klimawandels für die italienischen Staatskassen könnten bei einem anhaltenden Trend zur Erderwärmung weiter steigen, sagte Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio. Die Schäden könnten sich auf bis zu 200 Milliarden Euro pro Jahr belaufen. Er wolle sich für ein Manifest mit Maßnahmen einsetzen, um den Folgen des Klimawandels in Italien vorzubeugen.
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