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Interview mit dem Chef des UN-Klimarates IPCC: ´Zu Fuß gehen hilft dem Klima` (18.11.2007)

Valencia - Rajendra Pachauri ist der Chef des UN-Klimarates IPCC. Dieser hat in Valencia eine Zusammenfassung über die Gefährdung des Menschen durch den Klimawandel vorgelegt und darin ernste Konsequenzen aufgezeigt, wenn nicht schnell und umfassend gehandelt wird.


Prof. Rajendra PachauriIm Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa forderte er unter anderem dazu auf, mehr Wege per Fuß oder Fahrrad zurückzulegen.

Was kann jeder Einzelne zu Hause gegen den Klimawandel tun?

Pachauri: «Bitte, kauft effiziente Glühbirnen. Wer elektrische Geräte anschafft, sollte darauf achten, dass sie ebenfalls effizient arbeiten. Wenn nur wenig Wäsche zu waschen ist, geht das auch mal im Waschbecken. Wer sich innerhalb der Stadt bewegt, sollte zu Fuß gehen. Wenn das nicht möglich ist, sollte man Fahrrad fahren. Wenn das nicht geht, öffentliche Verkehrsmittel nehmen. Der Heizungsthermostat sollte so eingestellt sein, dass es mit warmer Kleidung angenehm ist. Dies alles verringert den Energieverbrauch und bremst die Freisetzung von Treibhausgasen deutlich.»

Was kann jeder Einzelne tun, um Druck auf Politiker auszuüben, damit diese im Sinne des Klimaschutzes handeln?

Pachauri: «Fragt die Politiker, wie sie zu den nötigen Entscheidungen stehen. Sorgt dafür, dass sie versprechen, etwas zu tun. Und es muss geprüft werden, ob sich die Versprechen der Politiker auch an ihren Handlungen messen lassen. Politiker sind sehr smarte Leute. Wenn sie jetzt noch keine besondere Überzeugung haben, dann entwickeln sie eine. Das wird geschehen, wenn die Öffentlichkeit das Thema (Klimawandel) anders wahrnimmt.»

Was ist der Kern des Problems?

Pachauri: «Wir haben Hoffnungen und Bestrebungen, die nicht nachhaltig sind. Es kann auf Dauer keine menschliche Gesellschaft geben, die mehr und mehr konsumiert und damit einen immer größeren Fußabdruck auf der Erde hinterlässt und die Ressourcen des Planeten beansprucht. Das ist der Kern des Ganzen. Der Klimawandel ist nur ein Symptom dessen.» Eine Erwärmung der Erdatmosphäre um maximal zwei Grad Celsius wird vielfach als die obere Grenzen dessen angesehen, was die Erde vertragen kann.

Wie steht der Weltklimarat zu dieser Zahl?

Pachauri: «Wir haben keine Temperatur als Höchstgrenze festgelegt. Wir haben vielmehr verschiedene Temperaturbereiche geprüft. Aber ich hinterfrage diese zwei Grad Celsius ohnehin: Sollten wir vielleicht nicht lieber etwas weniger anstreben? Die Gesellschaft muss entscheiden, wie weit sie gehen will, während die Auswirkungen des Klimawandels immer ernster werden.»

Was muss bei der Klimakonferenz in Bali im Dezember passieren?

Pachauri: «Wir brauchen auf jeden Fall einen Zeitplan, nach dem gehandelt wird. Und wir brauchen eine Einigung über den Beginn der Verhandlungen für die Zeit nach 2012 (dann läuft das Kyoto-Protokoll aus). Wir werden in Bali keine Übereinstimmung erreichen, aber hoffentlich die Grundlagen dafür schaffen.»

Ist es schon zu spät um mit dem Handeln zu beginnen?

Pachauri: «Nein, es ist nicht zu spät. Aber wenn wir noch länger warten, wird es zu spät sein.»


Interview: dpa


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