Noch bis 30. Mai 2008 findet in Bonn die neunte Vertragsparteienkonferenz zur Konvention über die Biologische Vielfalt statt.
Auch die Frage der Umweltauswirkungen von Bioenergie – insbesondere von Biokraftstoffen – auf die Biodiversität steht auf der Tagesordnung der Verhandlungen der über 5.000 DelegiertInnen der Konferenz. Vor diesem Hintergrund lud das deutsche Bundesamt für Naturschutz (BfN) zu einem international ausgerichteten Themenabend Frage nach den Auswirkungen von Bioenergie-Produkten auf die Biodiversität.
Bioenergie-Produkte sind landwirtschaftliche Biomasseprodukte für den Einsatz als Biokraftstoffe und zur Wärme- und Energieerzeugung. Ihre potenziellen Auswirkungen auf die Biodiversität sind vielfältig, komplexer Natur und im globalen Kontext zu betrachten. Beim Themenabend „Bioenergie und Biodiversität“ am 20. Mai 2008 in Bonn standen mögliche positive und nachteilige Auswirkungen und unterschiedliche Perspektiven – national, europäisch und global – im Mittelpunkt der Diskussion.
Professor Beate Jessel – Präsidentin des BfN – skizzierte einleitend die Situation in der EU und insbesondere in Deutschland. Teil ihres Vortrags waren auch die derzeit in Diskussion befindlichen Nachhaltigkeitskriterien und die Maßstäbe der deutschen Verordnung zu Biokraftstoffen. Für das BfN gilt es vorrangig, mögliche nachteilige Auswirkungen der Bioenergie-Produkte auf die Biodiversität möglichst zu vermeiden bzw. gering zu halten.
Wissensbasis durch Kommunikation und Zusammenarbeit
Professor Alfred Oteng Yeboah vom Rat für Wissenschaft und industrielle Forschung in Ghana plädierte für eine differenzierte Betrachtungsweise – im Rahmen der erneuerbaren Energien können für Afrika neben oder anstelle der Bioenergie vor allem auch Windkraft und Solarenergie sehr wichtige Alternativen darstellen. Die Nahrungsmittelversorgung ist aus seiner Sicht jedenfalls vordringlich.
Dr. Wu Xiaopu von der chinesischen Akademie der Umweltwissenschaften unterstützte diese differenzierte Sichtweise. China ist an einer nachhaltigen Bioenergie-Produktion zur Erreichung der Klimaziele sehr interessiert, möchte aber die Wissensbasis durch Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen WissenschafterInnen verbessern.
Dr. Helmut Gaugitsch vom Umweltbundesamt betonte in seinem Vortrag, dass die Bioenergie-Produktion im Gesamtzusammenhang mit der grundsätzlichen Frage der Energiebereitstellung und -nutzung zu sehen ist. Mögliche Auswirkungen auf die Biodiversität sind durch einen möglichst wissenschaftlich fundierten Kriterienkatalog zur Abschätzungen der Umweltauswirkungen zu bewerten.
Dafür stellen die EU-NachhaltBioenergie-Produktion im Gesamtzusammenhang mit der grundsätzlichen Frage der Energiebereitstellung und -nutzung igkeitskriterien eine wichtige Ausgangsbasis dar. Ein geeignetes Instrument dafür könnte auch die Lebenszyklusanalyse (LCA) sein. Methodische herausfordernd sind für diese umfassende Bewertung die Berücksichtigung von qualitativ zu beschreibenden Auswirkungen und Landnutzungsänderungen.
In der Diskussion zeigte sich klar, dass der komplexen Frage der Auswirkungen von Bioenergie auf die Biodiversität keine einfachen Antworten gerecht werden. In der Bewertung stehen den globalen Effekten regionale Einzelfälle gegenüber. Sozio-ökonomische Bedingungen spielen neben der naturwissenschaftlichen Bewertung eine bedeutende Rolle.
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