Johannesburg - Südafrikas größtes Tierparadies, der 110 Jahre alte Krüger-Nationalpark, wird zum Opfer seines eigenen Erfolgs.
Die Verantwortlichen haben eine Studie in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen der jährlich 1,3 Millionen Besucher auf die Umwelt im Park zu ergründen. Sollten sie sich als ökologische Belastung herausstellen, müsste die Besucherzahl eventuell strenger reglementiert werden, erklärte Parksprecher Raymond Trevers kürzlich der Zeitung «Sunday Independent».
Hintergrund der Studie ist auch eine Bedrohung des Parks durch den Klimawandel. Umweltminister Marthinus van Schalkwyk präsentierte dazu gerade einen Regierungsbericht, wonach zwei Drittel aller Tierarten im Krüger-Nationalpark bei einer Erwärmung um 2,5 bis 3 Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts vom Aussterben bedroht wären. «Der Bericht zeigt, dass der Schaden für eins der spektakulärsten Tourismusgebiete des Landes verheerend wäre, wenn das Phänomen ungehindert so weitergeht», erklärte der Minister.
Das größte zusammenhängende Wildschutzgebiet des Kap-Staates hatte 2003 erstmals die Marke von einer Million Besuchern genommen. Gegründet 1898 vom damaligen Präsident Paul Kruger als Sabie Game Reserve zum Schutz der Wildnis, erhielt das Gebiet 1926 den Status Nationalpark und seinen heutigen Namen. 1911 gab es bei Skukuza bereits das erste künstlich angelegte Bohrloch als Tränke für die Wildtiere - günstig gelegen, damit die Touristen auch gute Sicht auf die Exoten haben. Danach entwickelte sich der Wildtourismus langsam, aber stetig.
Fuhren 1930 gerade mal 100 Autos durch den Park, so sind es heute Hunderttausende. Vor allem die vielen Tagesbesucher, die nicht vorgebucht haben, stehen oft in langen Schlangen an den Eingängen. Dort ist bereits eine Kontingentierung die Regel. In der Praxis bedeutet das, dass an den vier großen Eingängen Malelane, Orpen, Phalaborwa und Punda Maria jeweils nur 500 Besucher pro Tag eingelassen werden, am Krüger-Haupteingang 750, an allen anderen 350 Besucher.
Die meisten halten sich an die Spielregeln - die Besucher fahren laut Parkbehörde im Schnitt mit gerade einmal 40 Stundenkilometern durch den Park - mit Rücksicht auf die Sicherheit von Mensch und Tier ist maximal Tempo 60 erlaubt. Dennoch führte sie zur Hauptsaison Radarfallen ein. Sie richten sich gegen Raser, die mit einem Affenzahn durchs Tierparadies rauschen. Andere Kontrollen richten sich gegen Besucher, die sich mit der Bierflasche in der Hand auf die Hatz durch den Park machen; oder trotz gegenteiliger Anweisungen ihr Auto verlassen um putzige Paviane zu fotografieren, Abfall aus dem fahrenden Auto kippen oder mit aufgedrehten Lautsprechern Antilopen und Zebras verschrecken.
Der im Nordosten des Landes gelegene, 35 000 Quadratkilometer große Park ist heute Kernstück des um Nachbarflächen in Mosambik und Simbabwe erweiterten grenzüberschreitenden Großen Limpopo-Naturparks und Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Dennoch kommt es immer wieder zum so genannten «Bunching up» - einem großen Stau von Besucher-Fahrzeugen an Orten, an denen exotische Wildtiere neben der Straße in die Schussweite der Kamera-Objektive geraten. Die Studie soll nun unter anderem auch untersuchen, wie dieses Phänomen künftig besser kontrolliert werden kann.
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