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Pilzforscher rechnen mit deutlich mehr Arten durch Klimawandel (05.10.2008)

Kassel - Durch den Klimawandel wird es in Zukunft nach Ansicht von Experten in Deutschland deutlich mehr Pilzarten als bisher geben. «Viele Pilzarten sind auf wärmeres Klima angewiesen. Die findet man plötzlich auch in Norddeutschland», sagte der Kasseler Mykologe Ewald Langer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.


 «Der Bronzeröhrling kommt aus dem Mittelmeerraum und hatte sich auch schon in Süddeutschland angesiedelt. Jetzt habe ich ihn in Nordhessen auf 400 Höhenmetern gefunden», sagte der neue Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM). In Kassel findet noch bis zum 9. Oktober die Internationale Tagung der Gesellschaft statt.

Für Pilzesser werde die Entwicklung aber kaum Vorteile bringen. «Natürlich wird bei einer Vermehrung der Arten auch der ein oder andere Speisepilz dabei sein. Aber interessant ist das vor allem für Mykologen und für Klimaforscher.» So könne an der Pilzvegetation sehr genau die Erwärmung des Klimas abgelesen werden. Die Folgen seien noch nicht absehbar: «Wenn Arten der einen Gruppe sich ausbreiten, betrifft das natürlich auch immer andere Arten. Eine tatsächliche Verdrängung befürchten wir aber nicht.» Dazu seien Pilze zu genügsam: «Sie leben in Nischen und diese Nischen wird es in Mitteleuropa auch weiter geben.»

Nach Langers Worten sind Pilze von einer enormen Bedeutung für die Wälder. «Wir sehen nur den Fruchtkörper, aber der eigentliche Pilz lebt im Boden und bildet dort ein riesengroßes Mosaik, ein richtiges Patchwork im Waldboden. Darauf sind Hunderte, vermutlich Tausende Arten angewiesen.» Pilze ernährten sich entweder von abgestorbener Materie, etwa abgefallenen Blättern, und seien so ein wichtiger Faktor im Biotop. «Oder sie leben symbiotisch mit den Bäumen, bekommen Zucker aus deren Photosynthese und liefern dafür Stickstoff, Phosphor und Wasser. Einem Baum geht es nur richtig gut, wenn er mit Pilzen zusammen lebt.»


Quelle: dpa


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