Berlin - Die Umweltberater der Bundesregierung fordern eine Neuausrichtung der Förderung von Biomasse. Sie sollte vorrangig dazu genutzt werden, Wärme und Strom zu erzeugen statt Biosprit für Autos, empfiehlt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in seinem am Donnerstag vorgelegten Sondergutachten «Klimaschutz durch Biomasse».
Die EU solle ihre ehrgeizigen Ziele für einen stärkeren Einsatz von Biokraftstoffen aufgeben und diese weniger fördern, forderte der Vorsitzende des Beratergremiums, Hans-Joachim Koch, bei der Übergabe des Gutachtens an Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Der Minister ging darauf nicht direkt ein, kündigte aber «eine neue Struktur an Bioraffinerien» an. «Wir wollen Nachhaltigkeit und keine Verdrängungspolitik in der Landwirtschaft.» Er sei nicht gegen Biomasse-Importe, sie dürften jedoch nicht durch das klimaschädliche Abholzen von Regenwäldern in Asien oder Lateinamerika erkauft werden. Das Thema müsse in der internationalen Handelsrunde eine Rolle spielen, sagte Gabriel.
Koch sagte: «Wir werden das ehrgeizige 40-Prozent-Ziel (beim Abbau von Kohlendioxid) nicht erreichen, wenn die Biomasse nicht mit Blick auf den Klimaschutz eingesetzt wird.» Nachwachsende Rohstoffe gebe es nur begrenzt. Ihre stärkere Verwendung als Kraftstoff ziehe mehr Düngemittel- und Pestizideinsatz nach sich und schädige die Natur. «In der Gesamtbilanz könnte man mit anderen Prioritäten mehr Klimaschutz zu niedrigeren Vermeidungskosten für Steuerzahler, Autofahrer und Stromkunden erreichen», sagte der Ratsvorsitzende Hans-Joachim Koch.
Das Gutachten belege, dass Biomasse in der Wärmeproduktion und gekoppelten Wärme- und Stromerzeugung bis zu drei Mal wirkungsvoller und wesentlich kostengünstiger eingesetzt werden können als bei der Erzeugung der derzeit genutzten Kraftstoffe Biodiesel und -ethanol. «Die für 2020 geplante hohe europäische Biokraftstoffquote von 10 Prozent und das entsprechende nationale Ausbauziel von 17 Prozent wird die verfügbare Biomasse in den Verkehrsbereich lenken», heißt es warnend im Gutachten. Damit werde zugleich die Wirksamkeit der alternativen Stromproduktion über das Erneuerbare-Energien-Gesetz geschwächt.
Wegen der hohen Nachfrage entstehe ein Importsog auf Biokraftstoffe aus Südostasien und Südamerika mit der Gefahr weiterer Vernichtungen von Tropenwäldern. Dies wäre für den Klimaschutz kontraproduktiv. Mittelfristig sollte die Biomasse-Förderung über den Emissionshandel laufen und auf alle Sektoren sowie die erste Handelsstufe (Händler und Importeure) ausgedehnt werden. «Messlatte für die Förderung sollte dann der Zertifikatepreis für ein strenges Klimaschutzziel von 40 Prozent CO2-Emissionseinsparung bis 2020 und von bis zu 80 Prozent bis 2050 sein.»
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