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Durst nach Palmöl bedroht seltene Tropen-Fauna (20.01.2008)

Die EU will offenbar über die Richtlinien bei der verpflichtenden Beimengung von Agrotreibstoffen neu entscheiden, berichtet BBC-Online. Es sei nicht vorhersehbar gewesen, dass die Richtlinien - wonach zehn Prozent der Treibstoffe in der Gemeinschaft aus Pflanzen stammen - zu solchen Problemen führen.


RegenwaldKonkret geht es um die Erhöhung der Lebensmittelpreise und die Bedrohung der Regenwälder. Die Umweltorganisation BirdLife International hat davor gewarnt, dass die Monokulturen von Ölpalmen zu einer dramatischen Abnahme der Biodiversität führen.

Am Beispiel der Insel Neubritannien, die zu Papua Neuguinea gehört, kann man feststellen, wie dramatisch die Auswirkungen der Urwaldrodung auf die Artenvielfalt der seltenen Vogelwelt tatsächlich sind, berichtet das Umweltjournal Environment News Service. Auf Neubritannien wurde zwischen 1989 und 2000 ein Achtel der gesamten tiefliegenden Primärwälder abgeholzt. Statt des Urwalds wurden dort Palmöl-Plantagen errichtet. "Nach der Rodung der tropischen Wälder in Malaysia und in Indonesien, wandern die großen Palmöl-Hersteller immer weiter Richtung Osten - nach Neuguinea und Melanesien", so Stuart Butchard, Species Program Coordinator von BirdLife International. Satellitenbilder hätten deutlich gezeigt, dass durch die Rodungen viel mehr Vogelarten bedroht sind als bisher angenommen.

Die Region Indonesien und Neuguinea gilt als einer der artenreichsten Regionen der Erde. Viele Tiere und Pflanzen sind endemisch, das bedeutet, dass sie ausschließlich in dieser Region leben. Gemeinsam mit anderen Umweltorganisationen hat BirdLife International nun ein Programm zum Erhalt des verbliebenen Regenwalds in Neubritannien gestartet. Bedroht sind mittlerweile auch Regenwälder in höheren Regionen. "Untersuchungen der Satellitenbilder von Neubritannien haben klar und deutlich gezeigt, dass es zu einem massiven Waldverlust auf der Insel gekommen ist", so Graeme Buchanan von der Royal Society for the Protection of Birds. Die Waldrodung sei insbesondere in den flachen Küstenregionen weit fortgeschritten, meint der Experte.

Palmöl gehört zu den lukrativsten Produkten der tropischen Regionen. Neben dem Gebrauch des Öls für die Lebensmittelindustrie, kann man die Ölpflanzen auch für die Herstellung von Treibstoffen nutzen. Vielfach wurden und werden Primärurwälder gerodet, um Platz für die Monokultur-Plantagen zu schaffen, wie dies auch der Waldexperte der Umweltorganisation Global2000 http://www.global2000.at , Thomas Lackner gegenüber pressetext bestätigt. "Der Weg hin zu Agrotreibstoff-Pflanzen ist der Falsche, denn diese Technologie ist in den allermeisten Fällen eine nicht nachhaltige", erklärt Lackner. "Vor allem die Ölpflanzen brauchen große Mengen an Kunstdünger und Pestiziden." Ein Einsatz von Agrotreibstoffen könne nur bei der lokalen Verwendung CO2-neutral und damit sinnvoll sein. "Alles was jedoch in den Export geht, ist keine Alternative zu fossilen Brennstoffen", so Lackner.

"Wir haben erkannt, dass Umweltprobleme und soziale Probleme hervorgerufen durch den Anbau von Biotreibstoffen wesentlich größer sind, als wir das ursprünglich vermutet haben", erklärte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas gegenüber BBC. "Wir müssen die Kriterien der Nachhaltigkeit inklusive jener der sozialen Gerechtigkeit und der Umweltbelange einhalten, weil es einige Vorteile der Biotreibstoffe gibt." Zur Gewährleistung dieser Rahmenbedingungen müsse in der EU eine Zertifizierung der Herkunft der Treibstoffe erfolgen. Diesel aus indonesischem Palmöl gehöre da jedenfalls nicht dazu.


Wolfgang Weitlaner
Weitere Informationen: www.birdlife.org
www.ens-newswire.com
www.rspb.org.uk


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