Frankfurt - Die von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) angekündigte finanzielle Aufstockung der Kernforschung findet auch bei ökologisch orientierten Wissenschaftlern Zustimmung.
Mit Blick auf die von Schavan genannten Bereiche Reaktorsicherheit, Strahlenschutz und Endlagerung sagte der Reaktorexperte des Öko-Instituts Darmstadt, Michael Sailer, der Frankfurter Rundschau (Donnerstag): «Hier gibt es nach wie vor Forschungsbedarf.» Wichtig sei es auch, Know-how und Manpower zum sicheren Betrieb und zum Abbau der Reaktoren zu erhalten.
Schavan hatte am Mittwoch in der «Berliner Zeitung» angekündigt, die Fördermittel in den nächsten beiden Jahren von derzeit 10 Millionen auf 14 Millionen Euro zu erhöhen. Auch die Ausbildung junger Nuklearwissenschaftler solle verbessert werden. Dem Bericht zufolge will sich Deutschland auch an Forschungsprojekten für die nächste Reaktorgeneration beteiligen, allerdings nur in Fragen der Anlagensicherheit und der Abfallminimierung. Später versicherte Schavan vor Journalisten, alle Maßnahmen seien bereits vor zwei Jahren mit Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) abgestimmt worden.
Sailer wertete die sogenannten Atomkraftwerke der vierten Generation, an denen derzeit international geforscht wird, kritisch. Es seien «Papierreaktoren», von denen fraglich sei, ob sie jemals laufen werden. Gabriels Parlamentarischer Staatssekretär Michael Müller (SPD) sagte der «Frankfurter Rundschau», er halte generell die Ausweitung der Atomforschung «für einen Sprung ins Gestern». Selbst Atomkraft-Befürworter bezeichneten diese als Übergangstechnologie. Der SPD-Forschungspolitiker Jörg Tauss kündigte in der Zeitung an, seine Fraktion werde sich dagegen sperren, falls die Ministerin Geld für neue Reaktorlinien vorsehe.
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